Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden prüft eine Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Auf der Bundesratstagung wurde darüber diskutiert, und bei der nächsten Konferenz 2020 soll eine Entscheidung getroffen werden. 

 

Hier folgt für alle Interessierten ein Auszug aus dem Handbuch für Gemeinden: "Ökumenischer Rat der Kirchen". Ausführlicher nachzulesen unter: https://www.baptisten.de/fileadmin/bgs/media/dokumente/11HandbuchO-RK.pdf

 

Welche Argumente sprechen gegen und für einen ÖRK- Beitritt?

Gegen einen Beitritt zum ÖRK wird geltend gemacht:

  • Ökumenische Gesinnung und ökumenisches Handeln sind nicht von der Mitgliedschaft in einer formalen Organisation abhängig.

  • Der Baptistische Weltbund ist wie der ÖRK Teil des Global Christian Forum, einer Dachorganisation von ökumenischen Zusammenschlüssen, zu denen auch die Katholische Bischofskonferenz und die Weltweite evangeli- sche Allianz gehören.

  • Über Netzwerkstrukturen, wie dem Evangelischen Missionswerk, der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) oder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), sind die Baptisten eng mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen verzahnt, auch ohne formell Mitglied zu sein.

  • Die Konzentration der personellen und finanziellen Ressourcen sichert dem Bund an den Stellen, an denen er aktiv sein kann, eine höhere Bedeutung, als die Mitgliedschaft in einer Organisation, die vielleicht kaum mit Mitarbeit unterfüttert werden kann.

 

Für einen Beitritt zum ÖRK spricht:

  • Das geistliche Selbstverständnis, die Basisformel des ÖRK: „Der ÖRK ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die den Herrn Jesus Christus gemäss der Heiligen Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

  • Das Gebet Jesu und die Aufrufe der Apostel, dass unter Christen Einheit herrschen soll, ist eine Verpflichtung, die nicht nach Gutdünken eingeschränkt werden kann. Gerade weil unser Bund in bereits mehreren ökumenischen Organisationen mitarbeitet, ist es inkonsequent, sich vom ÖRK fernzuhalten.

  • Die Suche nach Gemeinschaft mit anderen christlichen Kirchen kann sich nicht auf die nationale Ebene (in der ACK) beschränken, auch nicht auf die europäische Ebene (in der KEK), sondern muss angesichts einer immer stärker zusammenwachsenden Welt auch auf Weltebene geschehen (also im ÖRK). Auch die Apostel Jesu Christi haben die ganze damals bekannte Welt im Blick gehabt, nicht nur ihre Ortsgemeinde.

  • Der Alleinvertretungsanspruch der deutschen evangelischen Landeskirchen in der internationalen Ökumene muss bestritten werden. Je aktiver sich die Freikirchen im ÖRK einbringen, umso deutlicher wird, dass„evangelisch“ nicht allein die EKD-Gliedkirchen sind.

  • In vielen Promotionsordnungen theologischer Fakultäten in Deutschland ist eine Mitgliedschaft im ÖRK Voraussetzung für die Promotion.

  • Zahlreiche Baptistenbünde in Afrika und Asien, die Mitglied im ÖRK sind, brauchen innerhalb des ÖRK starke baptistische Freunde. Das hat unmittelbar Auswirkungen zum Beispiel auf Stipendienprogramme für Studierende.

  • Die Geschichte der deutschen Baptisten ist bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine engere Gemeinschaft mit anderen Kirchen zugelaufen. Auf allen drei Weltkonferenzen, mit denen die ökumenische Bewegung im 20. Jahrhundert begann (Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910, Weltkonferenz für praktisches Christentum Stockholm 1925 und Weltkonferenz über Glaube und Kirchenverfassung Lausanne 1927), waren die deutschen Baptisten durch offizielle Vertreter beteiligt. Von einer Zurückhaltung gegenüber der Ökumene kann in diesen Jahrzehnten keine Rede sein. Auf der zweiten Weltkonferenz für Praktisches Christentum in Oxford 1937, an der Bundesdirektor Paul Schmidt als offizieller Delegierter unseres Bundes teilnahm, wurde die Gründung eines Ökumenischen Rates der Kirchen geplant. Wegen des zweiten Weltkriegs konnte dieser Plan erst 1948 in die Tat umgesetzt werden. Dass unser Bund nicht damals schon Mitglied des ÖRK wurde, kann nur aus den Zeitumständen erklärt werden.

 

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… die Reformation geht weiter   500 Jahre Täuferbewegung

2025 jährt sich die erste täuferische Glaubenstaufe von 1525 in Zürich zum 500. Mal. Aus diesem Anlass bereitet eine Arbeitsgruppe, zu der Vertreter der Mennoniten, der Baptisten und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) gehören, fünf Themenjahre vor. Der Beginn ist 2020 mit dem Thema „gewagt! mündig leben“. 

Die Themenjahre sollen anregen, darüber nachzudenken, was Christsein unter täuferischen Vorzeichen im 21. Jahrhundert bedeutet. Die Täufer waren im 16. Jahrhundert Teil des reformatorischen Aufbruchs. Sie zeichneten sich durch eine große Vielfalt aus, die bis heute die täuferischen Gemeinden und Kirchen prägt. Die Erinnerung an 500 Jahre Täuferbewegung soll dazu herausfordern, sich mit den eigenen Traditionen auseinanderzusetzen, den Glauben Anderer wahrzunehmen und sich selbstbewusst und dialogfähig in die ökumenische Diskussion einzubringen.   

Zu jedem Themenjahr wird ein Magazin veröffentlicht, das in Gesprächs- und Hauskreisen, Gemeinden, ökumenischen Gremien sowie in Bildungseinrichtungen zu Diskussionen über das jeweilige Jahresthema anregen soll. Ausstellungen, Materialien für Schule und Bildungsinstitutionen sowie Tagungen werden die Auseinandersetzung mit den zurückliegenden 500 Jahren täuferischer Geschichte illustrieren und vertiefen. Der  Auftakt für „500 Jahre Täuferbewegung“ ist Himmelfahrt 2020.

Träger der geplanten Aktionen ist der Verein „500 Jahre Täuferbewegung 2025 e.V.“  mit Sitz in Frankfurt/Main in der Ökumenischen Centrale der ACK. Vorsitzende ist PD Dr. Astrid von Schlachta, Dr. Andreas Liese ihr Stellvertreter. Dr. Andreas Liese ist auch Vorsitzender des Historischen Beirats des BEFG-Präsidiums, der die Initiative wesentlich mit angestoßen hat. 

Die Themenjahre: 

2020: gewagt! mündig leben              Taufe – Freiwilligkeit – Religionsfreiheit
2021: gewagt! gemeinsam leben     Gleichheit – Verantwortung – Autonomie
2022: gewagt! konsequent leben     orientiert an Jesus – nonkonform – bekennen – Martyrium
2023: gewagt! gewaltlos leben        Friedenskirche – Widerstand – Versöhnung
2024: gewagt! Hoffnung leben        Reich Gottes – Utopie – Erneuerung 

Die Täufer waren eine reformatorische Bewegung, die im frühen 16. Jahrhundert entstand. Zu ihr gehörten Gruppen wie die Mennoniten und die Hutterer, die Schweizer Brüder und Melchioriten sowie  viele  einzelne,  kleinere  Gemeinden.  Sie  verfolgten  das  Ziel,  als  mündige  Menschen gemeinsam und konsequent ein an biblischen Maßstäben orientiertes Leben zu führen. Ihre Ideale waren  die  Freiheit  des  Glaubens  und  die  Gewaltlosigkeit.  Für  ihren  Glauben  nahmen  sie Verfolgung, erzwungene Migration und Diskriminierung in Kauf. Heutzutage zählen Gruppen wie Mennoniten, Mennoniten Brüdergemeinden, Hutterer und Amische sowie Baptisten und Quäker, die im frühen 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit der englischen Reformation entstanden, zum weiten Spektrum der täuferischen Kirchen. IG

 

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Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden prüft eine Mitgliedschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Auf der Bundesratstagung wurde darüber diskutiert, und bei der nächsten Konferenz 2020 soll eine Entscheidung getroffen werden. 

Auf der Bundesratstagung stellte der mennonitische Theologe Prof. Dr. Fernando Enns, der Mitglied im Zentralausschuss des Weltkirchenrates ist, die Geschichte und Ausrichtung des ÖRK vor. Der ÖRK wolle keine „Einheitskirche“ sein, sondern eine internationale Gemeinschaft der Kirchen. Baptisten aus 27 Bünden seien bereits Mitglied im ÖRK, so Enns. Nach seinem Vortrag wurde die Möglichkeit der Mitgliedschaft kontrovers diskutiert. Mehrere Delegierte befürworteten eine Mitgliedschaft, da sie die Einheit des Leibes Christi sichtbar ausdrücke. Andererseits wurden Bedenken geäußert, dass die Stellung zu Israel problematisch sei. Zudem gehöre die Russisch-orthodoxe Kirche zum Weltkirchenrat, die die Baptisten in Russland unterdrücke. Enns entgegnete, dass der Weltkirchenrat ein Forum biete, das Gespräch, auch mit der Russisch-orthodoxen Kirche, zu suchen und auf diese Weise Einfluss zu nehmen. 

„Warum seid ihr eigentlich nicht Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen?“ Diese Frage war einigen Personen, die den BEFG in ökumenischen Gremien auf verschiedenen Ebenen vertreten, im Vorfeld immer wieder gestellt worden. Daher wandten sie sich mit der Bitte, einen Beitritt zu prüfen, an das Präsidium. Der Theologische Ausschuss des Präsidiums erörterte zusammen mit dem Kollegium der Theologischen Hochschule Elstal praktische Fragen einer Mitgliedschaft. So stehe zum Beispiel das im BEFG vorherrschende Grundverständnis von Mission nicht in Widerspruch zum Missionsverständnis des ÖRK. Vielmehr könne der BEFG den typisch freikirchlichen Akzent der Evangelisation selbstbewusst einbringen und werde auf offene Ohren stoßen. Außerdem gehöre ökumenisches Engagement zum Auftrag des BEFG. „Denn das Neue Testament zeigt uns Einheit sowohl als Gabe Gottes an seine Gemeinde wie auch als Verpflichtung zum Handeln für uns Christen. Gott hat uns ‚das Band des Friedens‘ geschenkt, das uns zusammenhält“, wie es in Epheser 4,3-6 stehe. Diese Einigkeit gelte es zu bewahren. 

„Wenn es den ÖRK nicht gäbe, müsste man ihn erfinden“, so Professor Enns. „Denn die Herausforderungen in der Welt sind zu groß für eine Konfession allein. Vielmehr noch sind wir eins, weil Christus diese Einheit schon gestiftet hat.“ Professor Enns beantwortete viel Fragen; weitere noch offene Fragen sollen auf der nächsten Bundesratstagung geklärt werden. Ein Antrag, schon auf dem diesjährigen Bundesrat über die Mitgliedschaft abzustimmen, fand keine Mehrheit. Prof. Dr. Michael Kißkalt, der Rektor der Theologischen Hochschule Elstal, bot den Gemeinden an, ihre Fragen hinsichtlich des Weltkirchenrates bereits jetzt an die Hochschule zu richten oder auch Mitglieder des Kollegiums zu Vorträgen einzuladen. Denn auf der nächsten Bundesratstagung soll über die Mitgliedschaft entschieden werden. IG

 

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